Landau an der Isar entdecken – eine Stadt zwischen Altstadt, Barockkirchen und Naturwundern

Landau an der Isar gehört zu den ältesten Städten Niederbayerns. Die Stadt wurde 1224 durch den Wittelsbacher Herzog Ludwig den Kelheimer gegründet – als strategischer Vorposten an der wichtigsten Nord-Süd-Handelsroute zwischen Landshut und der Donau. Wer heute durch die Obere Altstadt spaziert, spürt noch immer die mittelalterliche Stadtanlage: enge Gassen, ein dominanter Kirchturm, der über das Isartal ragt, und die ungewöhnliche Topografie einer Stadt, die auf einem Bergsporn thront, rund 60 Meter über der Unteren Stadt und der Isar. Dazu locken in der näheren Umgebung einige der überraschendsten Naturdenkmäler der Region.

Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt – das barocke Herzstück der Oberen Stadt

Das unbestrittene Wahrzeichen von Landau an der Isar ist die Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Sie ist die größte Barockkirche im unteren Isartal und eine der wenigen in dieser Epoche von Grund auf neu erbauten Stadtpfarrkirchen in einem weiten Umkreis. Die Wandpfeilerkirche wurde ab 1713 nach dem Entwurf des Baumeisters Dominikus Magzin erbaut. Ausgelöst wurde der Neubau durch eine Pestepidemie: Im Jahr 1713, als die Pest in Landau mehr als 80 Todesopfer forderte, wurde unter Stadtpfarrer Philipp Rappoldsberger mit dem Bau im Barockstil begonnen. Möglich wurde er nur durch ein großzügiges Erbe: Das Vermächtnis der Freifrau Maria Theresia von Puchleiten ermöglichte den Bau der prächtigen Kirche von 1713 bis 1726. Acht Seitenaltäre an den Wandpfeilern sind ebenso wie der Hochaltar mit Nussbaumfurnier und Blattgold verziert. Wer genau hinschaut, entdeckt am Turm noch romanische Rundbogenfriese aus dem 13. Jahrhundert – ein stummes Zeugnis der ersten Kirche, die kurz nach der Stadtgründung entstand.

Kastenhof – Stadtmauer, Getreidespeicher und Steinzeitmuseum

Direkt gegenüber der Pfarrkirche steht der Kastenhof, der zusammen mit St. Maria die „Stadtkrone“ der Oberen Altstadt bildet. Mit der Wittelsbacher Gründung der Stadt 1224 wurde das herzogliche Schloss erbaut. 1504 erlitt es im Landshuter Erbfolgekrieg erhebliche Zerstörungen. Beim Wiederaufbau wurde die südliche Stadtmauer als Außenwand des Südtrakts erneut verwendet. Die Außenfassaden zeigen noch heute den wehrhaften Charakter der alten Stadtmauern. Von der langen Nutzung als Getreidespeicher zeugt noch der Name – „Kasten“ meint ein solches Gebäude. Heute beherbergt der Kastenhof das Museum für Steinzeit und Gegenwart, eine Zweigstelle der Archäologischen Staatssammlung München zur Vor- und Frühgeschichte Niederbayerns. Das Museum lädt auf erlebnisreiche Weise durch die Jahrtausende der Menschheitsgeschichte in Niederbayern.

Wallfahrtskirche Maria im Steinfels – Andacht unter dem Felsen

Am Fuß des Stadtbergs, am östlichen Stadtausgang, schmiegt sich eine ganz besondere Kirche an den Steilhang. Die Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung liegt am östlichen Stadtausgang von Landau am Fuße des Stadtbergs und wurde Ende des 17. bis Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. Die Weihe erfolgte 1726. Die Kirche zählt zu den bedeutendsten Wallfahrtskirchen im unteren Isartal und beherbergt zahlreiche Votivtafeln aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Bemerkenswert ist die Lage: Der Altar wurde direkt um einen Sandsteinfelsen herum errichtet, der die Kirche von innen berührt. Noch heute endet die Sebastiani-Prozession der Stadt, die seit einem Pestgelübde von 1713 abgehalten wird, an der Wallfahrtskirche.

Skulptur Ludwig und Ludmilla – ein Geschenk zum Stadtjubiläum

Vor dem Rathaus am Oberen Stadtplatz steht seit 2024 ein neues Kunstwerk mit historischer Bedeutung. Die Skulptur von Ludwig und Ludmilla ist ein Geschenk der Bramenkamp-Stiftung an die Stadt Landau zum 800-jährigen Stadtjubiläum 2024. Das Kunstwerk des Eggenfeldener Bildhauers Joseph Michael Neustifter wurde am 13. Januar 2024 feierlich enthüllt. Die Bronzeskulptur zeigt den Gründer der Stadt, den bayerischen Herzog Ludwig den Kelheimer, und seine Ehefrau Ludmilla von Bogen. Bei näherer Betrachtung entdeckt man zahlreiche Details wie die Wappen der Wittelsbacher Städtegründungen Landshut, Straubing, Cham und Schärding.

Bockerlbahnbrücke – Industriedenkmal an der Isar

Wer von der Oberen Stadt hinunter zur Isar geht, stößt auf eines der bekanntesten Industriedenkmäler der Region. Die Bockerlbahnbrücke gilt als Wahrzeichen der Stadt und wurde 1903 beim Ausbau der Eisenbahnstrecke von Landau nach Arnstorf errichtet. Mit einer Spannweite von 79 Metern war sie damals die längste selbsttragende Stahlbrücke in Bayern. Die Strecke wurde am 29. Dezember 1903 eröffnet; 1994 wurde der Betrieb eingestellt, 1998 die Gleise abgebaut. Heute steht die Brücke unter Denkmalschutz und ist ein beliebtes Fotomotiv am Bockerlbahn-Radweg, der auf der alten Bahntrasse von Landau bis nach Pfarrkirchen führt.

Wachsender Felsen in Usterling – Naturwunder vor der Haustür

Kaum eine Sehenswürdigkeit im Umkreis von Landau überrascht Erstbesucher so sehr wie der Wachsende Felsen im Ortsteil Usterling. Er ist unter den seltenen Karstgebilden der steinernen Rinnen eines der größten. Diese Rinne ist in über 5.000 Jahren zu fast 40 Meter Länge und 5 Meter Höhe angewachsen und damit die größte Steinerne Rinne in Deutschland. Im Sommer ist es dort etliche Grade kühler als in der Umgebung, im Winter glitzert und funkelt das Eis in aller Pracht, und während des Frühjahrs und des Herbstes taucht die tief stehende Sonne die ganze Szenerie in beinahe mystisches Licht. Ein kulturgeschichtliches Kuriosum macht den Ort noch außergewöhnlicher: In der benachbarten Dorfkirche von Usterling wurde auf einem Flügelbild des Altars um das Jahr 1500 die Taufe Jesu in den Schatten des Wachsenden Felsens verlegt – die älteste bekannte Darstellung des Naturdenkmals.

Schloss Wildthurn – Ritterburg im Vilstal

Südöstlich von Landau, auf dem Weg ins Vilstal, thront Schloss Wildthurn auf einer Anhöhe. Das Schloss wurde erstmals 1160 urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit gab es lediglich den großen Bergfried. Das eigentliche Schloss entstand im 16. Jahrhundert, im 19. Jahrhundert wurde es großzügig erweitert. Das Schloss ist im Besitz der Familie Lermer; jedes Jahr im Sommer gibt es Kunstausstellungen und klassische Konzerte. Das Schlossgebäude selbst ist nicht öffentlich zugänglich, der Bergfried und das Gelände lassen sich aber von außen bestens besichtigen – ein lohnender Abstecher auf dem Bockerlbahn-Radweg.

Widder-Anlage bei Usterling – ein vergessenes Technikdenkmal

Direkt am Isarradweg bei Usterling befindet sich noch eine weitere, weniger bekannte Attraktion: eine historische Widder-Anlage. Der Widder ist eine wassergetriebene, autonomische und zyklisch arbeitende Pumpe, die 1796 vom Franzosen Joseph-Michel de Montgolfier erfunden wurde. Die Pumpe nutzt einen Staudruck-Effekt des fließenden Wassers und kann dadurch Wasser an eine höher gelegene Auslassstelle weiterleiten. Das leise, rhythmische Geräusch der Anlage – das dem Stoß eines Widders ähnelt und ihr den Namen gab – ist noch heute zu hören. Ein besonderer Tipp für alle, die Technikgeschichte und Natur verbinden möchten.

Fazit: Landau lohnt sich

Landau an der Isar ist eine Stadt, die mehr bietet als ihre Größe vermuten lässt. Wer die barocke Pfarrkirche, den mittelalterlichen Kastenhof und die stille Wallfahrtskirche am Fels besucht hat und dann noch einen Ausflug zum Wachsenden Felsen in Usterling anhängt, erlebt in einem einzigen Tag eine beeindruckende Bandbreite aus Geschichte, Kultur und Natur – mitten im unteren Isartal.